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Bauen auf fremdem Grund: Besitzverhältnisse beizeiten klären! PDF Drucken E-Mail
  
Freitag, 10. Oktober 2008 13:50

Wer ein fremdes Grundstück, zum Beispiel das der Eltern oder Schwiegereltern, bebaut, ist nicht Eigentümer seines Hauses! Nach österreichischer Rechtsordnung gehört ein mit Grund und Boden fest verbundenes Gebäude – unabhängig davon, wer seine Errichtung finanziert hat – dem Grundeigentümer. Eine rechtliche Absicherung vor Baubeginn verhindert böse Überraschungen und unangenehme Streitigkeiten innerhalb der Familie.

Wer ein Haus baut, braucht einen Bauplatz. In Zeiten steigender Grundstückspreise ist es nur allzu verlockend, die Kosten für den Ankauf und die damit verbundenen Aufschließungsgebühren zu sparen und statt dessen auf Baulandreserven aus dem Kreise der Verwandtschaft zurückzugreifen. Kein Problem, solange ein eigener Bauplatz weitergegeben wird. Schwierig wird es, wenn auf dem Grundstück bereits das Haus beispielsweise der Eltern oder Schwiegereltern steht und durch Zubau, Aufstockung oder Ausnutzung eines freien Grundstückteils neuer Wohnraum geschaffen wird. Auch wenn es sich bei den Grundstücksbesitzern um die eigenen Eltern bzw. Schwiegereltern handelt, ist eine rechtliche Absicherung vor Baubeginn unbedingt nötig. Sie erspart böse Überraschungen z.B. im Scheidungsfall oder wenn das Grundstück aus einer finanziellen Notlage heraus verkauft werden muss. Wie diese Absicherung aussehen kann, ist von Fall zu Fall verschieden. Der Anwalt wird mit Ihnen gemeinsam die beste Lösung finden. Der Bauherr, auch wenn er sich alles selbst finanziert, wohnt nach österreichischem Recht in einem fremden Haus. In letzter Konsequenz muss er dieses sogar räumen, falls es zu Streitigkeiten oder einem Verkauf des Grundstücks kommt. Der Ablöseanspruch für getätigte Investitionen ist nur ein schwacher Trost, vor allem, weil er sich durch die Inanspruchnahme und Benützung des Baugrundes stetig verringert. Um einen solchen überhaupt erheben zu können, ist es enorm wichtig, genaue Aufzeichnungen zu führen, wer welche Leistungen, sei es finanziell oder in Form von Arbeit, erbracht hat. Auch im Fall einer Scheidung treten Schwierigkeiten auf. Ansprüche können zwar gegen den Ehepartner, nicht aber gegen Dritte geltend gemacht werden. Gehört also die Ehewohnung – in vielen Fällen der Hauptteil des ehelichen Vermögens – nicht den Ehegatten, nützen die im Scheidungsrecht vorgesehenen Instrumentarien nichts. Derjenige Ehegatte, der auszieht, müsste in diesem Fall gegen die Grundeigentümer prozessieren und wiederum nachweisen, welche Eigenleistungen im Zubau stecken. Detaillierte Benützungsregelungen helfen, solche und andere Eventualitäten von vorne herein zu klären. Zufahrtsregelungen, Lösungen im Fall einer Scheidung oder Wohnrecht bei Grundstücksverkauf sind nur einige Beispiele. Ihr Anwalt berät Sie individuell und findet mit Ihnen gemeinsam die für Sie maßgeschneiderte Lösung. Handelt es sich nicht um eine Aufstockung, sondern um ein eigenständiges Gebäude, ist die Errichtung eines Superädifikates möglich. Hierbei stellt der Grundeigentümer dem Gebäudehersteller den Grund für eine bestimmte Zeit zur Verfügung. Vertraglich kann festgelegt werden, was nach dieser Zeit mit dem Gebäude bzw. Grundstück passiert. Wird keine Regelung getroffen, fällt alles nach Ablauf der Frist wieder dem Grundeigentümer zu. Bauen auf fremdem Grund ist zwar gerade für junge Menschen oft die billigste Lösung, birgt aber viele Risiken. Der Gang zum Anwalt schützt nicht nur vor finanziellen Verlusten, sondern auch vor im Nachhinein kaum klärbaren Rechtsstreitigkeiten. Unbedingt - auch innerhalb der Familie - sollte man sich absichern – zum Wohl und Vorteil aller Beteiligten!